Interlinear Verknüpfungen (Luther2017)

Page 1 of 1 (3 items)
This post has 2 Replies | 1 Follower

Posts 39
Mihahn | Forum Activity | Posted: Sat, Mar 7 2020 1:43 PM

Hallo,

könnte mir jemand mal den Gedanken bzw. das Prinzip der Reverse Interlineardatensätze (Luther 2017 bspw.) erklären? Was ich bisher verstanden habe: jedes Wort des deutschen Luthertextes wird einzeln mit dem griechischen/hebräischen Text verknüpft.

Was ich nicht verstehe: weshalb wird der Text mit den Logos Versionen des hebräischen bzw. griechischen Textes verknüpft? Grundlage der Lutherübersetzung ist schließlich die BHS (mit vereinzelten Abweichungen) und NA27/28.
Weicht nun der griechische/hebräische Text, der ursprünglich zur Übersetzung und Erstellung der Luther2017 verwendet wurde, von den Logos Texten ab, dann ist das ja erstmal nicht ersichtlich - und im ersten Moment möge man ggf. Luther2017 anzweifeln, weil man denkt, dort würde ein Fehler vorliegen; dabei liegt es an unterschiedlichen Textgrundlagen.

Habe ich da einen Denkfehler? Sind das einfach kostentechnische/lizenzrechtliche Gründe, dass BHS/NA28 nicht als Grundlage genommen werden? Und da - soweit ich das verstanden habe - die Wörter "per Hand" verknüpft werden, ist es technisch wahrscheinlich auch nicht möglich, den dem Reverse Interlinardatensatz zugrunde liegenden Text nachträglich zu verändern, richtig? Also ich kann mir nicht nach Kauf von BHS/NA diesen Text interlinear anzeigen lassen?

Natürlich ist es immer besser, selbst mit dem Urtext zu vergleichen - mir geht es eher um das Einsatzgebiet des Interlineardatensatzes. Wenn meine Gedanken soweit richtig sind, dann hilft dieser bei einer ersten Betrachtung der zugrundeliegenden Wörter, im Zweifelsfall sollte man aber immer nochmal BHS/NA28 konsultieren.

Posts 1049
LogosEmployee
Ben Misja (Faithlife) | Forum Activity | Replied: Mon, Mar 9 2020 11:25 AM

Mihahn:
Was ich nicht verstehe: weshalb wird der Text mit den Logos Versionen des hebräischen bzw. griechischen Textes verknüpft? Grundlage der Lutherübersetzung ist schließlich die BHS (mit vereinzelten Abweichungen) und NA27/28.

Mihahn:
Weicht nun der griechische/hebräische Text, der ursprünglich zur Übersetzung und Erstellung der Luther2017 verwendet wurde, von den Logos Texten ab, dann ist das ja erstmal nicht ersichtlich - und im ersten Moment möge man ggf. Luther2017 anzweifeln, weil man denkt, dort würde ein Fehler vorliegen; dabei liegt es an unterschiedlichen Textgrundlagen.

Grundlage der Lutherbibel ist der erasmische Mehrheitstext, seit der Revision 1984 vielfach geflickt und korrigiert, um an allen wesentlichen Stellen textkritisch auf dem neusten Stand zu sein. Aber der Mehrheitstext schimmert an vielen unwesentlichen Stellen noch durch. Die Lutherbibel 1984 und 2017 hat keine einheitliche Textgrundlage und geht auch nicht auf einen einheitlichen textkritischen Prozess zurück - das darf ich dir so sagen als die Person, die jedes einzelne Wort in der Lutherbibel 1984 angeklickt und mit dem Urtext verglichen hat. Smile

Das trifft aber auf die meisten modernen Bibelübersetzungen zu. Mit Ausnahme jener, die z.B. den Mehrheitstext übersetzen, gibt es kaum eine Ausgabe, die keine eigenen textkritischen Entscheidungen trifft. Und du kannst dir vorstellen, dass das selten dokumentiert oder ein griechischer Text auf Grundlage dieser textkritischen Entscheidungen produziert wird. 

Insofern erweist es sich methodisch in jedem Fall als praktisch unmöglich, die richtige Textgrundlage heranzuziehen. Das SBLGNT hat uns hier gut gedient, hier habe ich interessanterweise nur bei der Perikope von der Ehebrecherin große Unterschiede im Wortlaut festgestellt. Bei der Schlachter-Bibel konnten wir der Textgrundlage allerdings (auch auf Wunsch aus dem Forum) Rechnung tragen und haben sie mit dem Mehrheitstext verknüpft. 

Mihahn:
Habe ich da einen Denkfehler? Sind das einfach kostentechnische/lizenzrechtliche Gründe, dass BHS/NA28 nicht als Grundlage genommen werden?
  

Im Wesentlichen ja. Als diese Funktion konzipiert wurde (und auch noch zu der Zeit, als die deutschen Interlinear-Datensätze begonnen wurden), durften wir z.B. den BHS-Apparat gar nicht in Basispaketen unterbringen, die BHQ sowieso nicht, und aus finanzieller Hinsicht wäre die Verwendung der kritischen Standardausgaben schwieriger gewesen. 

Mihahn:
Wenn meine Gedanken soweit richtig sind, dann hilft dieser bei einer ersten Betrachtung der zugrundeliegenden Wörter, im Zweifelsfall sollte man aber immer nochmal BHS/NA28 konsultieren.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Exegese ersetzt ohnehin nichts den Urtext, aber für alle praktischen Belange habe ich bisher keine Probleme damit gehabt, einen Interlineardatensatz zu verwenden. Das SBLGNT ist ja übrigens in der neutestamentlichen Wissenschaft durchaus registriert und als moderne wissenschaftliche Ausgabe anerkannt worden, wenn es natürlich auch nicht an Nestle-Aland herankommt. 

Posts 39
Mihahn | Forum Activity | Replied: Mon, Mar 9 2020 11:55 AM

Ben Misja (Faithlife):

Grundlage der Lutherbibel ist der erasmische Mehrheitstext, seit der Revision 1984 vielfach geflickt und korrigiert, um an allen wesentlichen Stellen textkritisch auf dem neusten Stand zu sein. Aber der Mehrheitstext schimmert an vielen unwesentlichen Stellen noch durch. Die Lutherbibel 1984 und 2017 hat keine einheitliche Textgrundlage und geht auch nicht auf einen einheitlichen textkritischen Prozess zurück - das darf ich dir so sagen als die Person, die jedes einzelne Wort in der Lutherbibel 1984 angeklickt und mit dem Urtext verglichen hat. Smile

Spannend, danke für die Info! Habe mich daran orientiert, was die Deutsche Bibelgesellschaft auf ihrer Seite über Luther2017 schreibt - dort steht BHS mit Abweichungen und NA27/28. Aber klar, jede Übersetzung hat ihre eigenen textkritischen Entscheidungen getroffen und so wird man nie wissen, was an welcher Stelle genau wozu geführt hat.

Ben Misja (Faithlife):

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Exegese ersetzt ohnehin nichts den Urtext, aber für alle praktischen Belange habe ich bisher keine Probleme damit gehabt, einen Interlineardatensatz zu verwenden. Das SBLGNT ist ja übrigens in der neutestamentlichen Wissenschaft durchaus registriert und als moderne wissenschaftliche Ausgabe anerkannt worden, wenn es natürlich auch nicht an Nestle-Aland herankommt. 

Sicher, nichts ersetzt die Urtextarbeit! Mein Gedanke war nur, dass eine Verknüpfung mit den "Standardwerken" wissenschaftlicher Exegese etwas sehr cooles wäre - unter den gegebene Umständen lohnt sich das aber so freilich nicht bzw. ist nicht umzusetzen. Und auch in der Verknüpfung mit SBLGNT ist der Interlineardatensatz natürlich super im alltäglichen Gebrauch.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort Big SmileYes

Page 1 of 1 (3 items) | RSS